Ecken und Kanten…..

Angeregt durch die SichtbarkeitsChallenge von Christina Emmer und dem heutigen Aufgabenteil, möchte ich etwas loswerden, was schon lange aus mir heraus möchte.

Ja, ich bin oft traurig. Ja, ich habe oft keine Lust morgens aufzustehen. Jeden Tag den gleichen Ablauf abzuarbeiten. Dabei zu lächeln und mir nichts anmerken zu lassen. Ich habe seit Jahren Tiefs, die als Depression bezeichnet wird. Natürlich mochte ich das nicht laut sagen. Ein Zeichen von Schwäche, ein Makel. Wenn ich in diesen Phasen alleine bin, grübel ich sehr viel über mich, die Menschen um mich herum, die Welt und das Universum nach.

Warum bin ich hier? Warum nicht woanders? Warum ist der Herbst so grau und der Winter oft kalt und nass und noch dunkler? Ich vermisse dann die Sonnenstrahlen auf der Haut und sehe so aus, als könnte ich dieselben mal ordentlich vertragen.

Warum fühlt es sich so schwer an?

Seit 3 Jahren arbeite ich intensiv mit mir und meinen Sorgen und stelle zunehmend fest, dass es wert ist, diese Sorgen mit anderen zu teilen. Denn ich bin nicht alleine damit. Habe seit 2 Jahren diese Traurigkeit ganz gut bewältigt. Obwohl immer noch Hochs und Tiefs wechseln. Nicht mehr so stark ausgeprägt wie früher, doch schon noch da. Und ich weiss jetzt damit umzugehen.

Als hochsensibler Mensch reagiere ich sehr empfindsam auf große Menschenansammlungen, großen Lärm um mich herum. Bei meinen bisherigen Jobs hatte ich sehr viel mit unterschiedlichsten Menschen zu tun. Abends dann fiel ich wie erschlagen auf die Couch und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Jetzt weiss ich, dass die vielen Gefühle, Emotionen der anderen Menschen auf mich übertragen werden. Ich erkenne unbewusst, wie sie fühlen. Nehme es ungefiltert in mich auf. Damals wusste ich das nicht. Überhäuft wurde ich tagtäglich, mit Informationen bombardiert, die meine Akkus vollends entladen haben.

Ich war damals der Meinung, Ablenkung hilft. Raus in die Gesellschaft. Am Wochenende stets unterwegs mit der Familie. Und wieder in den unbewussten Strudel der Emotionen von wildfremden Menschen. Laute Musik und Gedränge auf Jahrmärkten, Festen. Neue Eindrücke in Museen und Ausstellungen. Einkaufstouren.

Das alles machte es mir NICHT besser. Nein, der Zusammenbruch war vorprogrammiert.

Ende 2013 ging nichts mehr. Psychosomatische Schmerzen stellten sich ein und mein Körper schrie nach Hilfe und sagte schon Jahre vorher erst ganz leise, mit Migräne und häufigen Nebenhöhlenentzündungen, dann brüllend mit Ischiasschmerzen und tauben Gliedmaßen:

„KÜMMERE DICH BITTE MAL NUR GAAAANZ ALLEINE UM DICH !!!!!!!!!“

Das hatte ich immer noch nicht verstanden und landete in einer neurologischen Klinik.

„Frau Strenger: Sie sind gesund. Klinisch ist nichts zu finden, was Ihre Beschwerden erklären könnte.“

Abschlußsatz im Entlassungsbrief:

„Psychologische Unterstützung angeraten.“

WIE BITTE? ICH SOLL ZU EINEM PSYCHOLOGEN ODER PSYCHOTHERAPEUTEN? WARUM? ICH BIN DOCH NICHT PLEMPLEM!

Da ich vom Hausarzt ausser Gefecht gesetzt wurde und mich einfach auch überhaupt nicht in der Lage sah arbeiten zu gehen, dachte ich mir dann doch, warum eigentlich nicht Hilfe annehmen?

Binnen einer Woche hatte ich meinen ersten Termin.

Dieses Erstgespräch diente zum gegenseitigen Kennenlernen zwischen Therapeut und mir. Die Praxiseinrichtung eher unscheinbar und etwas altbacken. Aufgeräumt und aufs Notwendigste begrenzt. Nichts, was ablenken könnte. Einzig zwei wunderschöne Bilder an der Wand, die meinen Blick bei jeder darauffolgenden Sitzung festhielten. Ein Geschenk einer Klientin.

Wir klärten die Rahmenbedingungen und ich bekam Hausaufgaben für den nächsten Termin in die Hand gedrückt.

Zu Hause setzte ich mich hin und fing an, die Formulare auszufüllen. Meine Biographie und beeinflussenden Personen und Erlebnisse in meinem Leben sollte ich grob zu Papier bringen. Gesagt getan.

Das erste Mal, dass ich mir überhaupt Gedanken über meine Lebensgeschichte und über mich selber machte.

Nebenbei zu Hause packte mich meine lange verdrängte Gier nach neuen Wissensgebieten und ich verschlang Bücher zu allen möglichen Themen. Vor allem die Psychologie und Psychotherapie, sowie die großen Themen Hochbegabung und Hochsensibilität, ließen mich nicht mehr los. Und erweckten da schon neues Leben in mir. Noch immer hatte ich das denken, der Therapeut macht das schon. Er wird eine Lösung für meine Probleme finden und mir diese auf dem Silbertablett servieren. Die ich dann nur noch zu mir nehme und bin dann wieder gesund. Fertig.

Aber nein, so einfach wurde es mir vom Universum nicht gemacht. Nein. Es sagte zu mir: „Mein Mädel, jetzt schaust du dich erstmal richtig an. Schau, was du die ganzen Jahre mit dir gemacht hast. Wie du dich hast zurechtbiegen und formen lassen von deiner Umwelt. Und dann schau, was eigentlich in dir schlummert……!“

Die ersten Gesprächstermin beim Therapeuten waren für mich persönlich markerschütternd. Tränenüberströmt und völlig aufgelöst verliess ich an drei Folgeterminen dessen Praxis. Konfrontation mit meinen eigenen Ängsten, Fehlern und Macken. Verlusten und Geschenken, die ich in meinen Lebensjahren erfahren habe.

Und weisst du was? Es war eine Befreiung sondersgleichen. Nicht der Therapeut war das. Nein, ich ganz allein. Nur die Möglichkeit, dass mir jemand einen Spiegel vorhält und sagt: „Schau hinein! Was siehst du? Erkennst du dich? Beschreibe, was du siehst!“

Alle folgenden Termine liefen stets so ab, dass ich sprach, während der Psychotherapeut nur zuhörte. Ich erzählte und beschrieb mein Leben, meine Wünsche, meine Ängste. Ich erzählte von meinen Tagen zu Hause und wie ich Begeisterung für mich selbst entdeckte. Für meine wundervollen Gaben. Die Neugier, mich weiterzubilden, den Drang noch mehr von der Welt um mich herum zu erfahren.

Nach einem halben Jahr beendete ich die Therapie, die eigentlich keine war. Schließlich lag es an mir selbst, mich aus der Misere herauszuholen.

Und ich wurde und werde immer noch die kleine/große Bernadett, die so weit versteckt war in mir drin. Ich möchte mein Herz weiter öffnen und Depressionen nicht mehr zulassen.

Ich weiss, dass es möglich ist. Ich weiss, du kannst das auch schaffen.

Dafür ist es enorm wichtig zunächst zu erkennen, wer bist du eigentlich?

Was willst du erreichen? Was ist dein größter Wunsch? Was hat dich geformt und geprägt? Was willst du nicht mehr?

Das schlummert alles in dir und will heraus. Es kratzt an der Oberfläche, merkst du es denn nicht?

Weg von der Einheitssoße. Weg vom Mainstream.

Ja, ich habe gefunden, was meine Akkus wieder auflädt. Was mich glücklich macht und mein Herz tanzen lässt.

NATUR, SONNE, ERDE, LUFT, WASSER, PFLANZEN, TIERE

…und liebe Menschen, die frei und selbstbestimmt ihr Leben leben und zu sich stehen!

Lass es zu…. Du schaffst das nicht alleine?

Auch das gehört dazu. Dir eingestehen, dass du etwas nicht kannst. Dafür bin ich da.

Ich habe einen schönen Spiegel. In den lass ich dich hineinschauen, wenn du magst. Ich zeige dir, wie schön du bist. Wie großartig und smart.

Trau dich und schreibe mir!

Ein Weg zu dir ist lohnenswert und du solltest ihn wagen!

Kommentare sind geschlossen.