…ein Menschlein mehr auf dieser Erde….

Meine liebe!

Nun finde ich endlich mal wieder Zeit um ein paar Zeilen zu schreiben.

Ich möchte dich teilhaben lassen an einer der schönsten Ereignisse, die Mutter Natur uns Frauen ermöglicht.

Die Geburt eines kleinen Menschleins.

Eine Geburt, die meine erste (Krankenhaus-)Geburt wieder gut gemacht hat.

Mein „rechnerischer“ Termin, laut Schulmedizin, war der 30.06.2017.

Schon Wochen vorher übte sich mein Bäuchlein in Wehenarbeit. Das gehörte ab der 32. Woche zum täglichen Programm. Ab Woche 37 hatte sich schon einiges getan, was mir die Vermutung einbrachte, es wohl nicht bis Ende Juni auszuhalten.

Ab Woche 38. dann fast jede Nacht ganz gute Wehen, die aber wieder aufhörten, doch in meinem Bauch schon ordentlich Vorarbeit leisteten.

Am 26.06.17 fuhren wir in Familie noch zu einem grossen Festumzug, der bei uns jedes Jahr stattfindet.

Dort angekommen, überkam mich schon ein eigenartiges Gefühl. Nach nur einer halben Stunde bekam ich furchtbare Ischiasschmerzen, so dass ich die Befürchtung hatte, es nicht mal zum Auto zurück zu schaffen. Bekam es doch noch hin und wollte auch noch selber fahren, da es im Sitzen wesentlich besser auszuhalten war.

Wir kamen 3km… und ich musste mit meinem Mann Plätze tauschen. Zu Hause angelangt, bin ich gleich in die Wanne. Mein Mann total aufgedreht, bemühte erstmal im ganzen Haus den Staubsauger, da er dachte, es geht los . Eine halbe Stunde in der Wanne und mir ging es besser.

Fehlalarm also….

Ich war trotzdem total müde am Abend und ging eher ins Bett.

Um 2 Uhr nachts wachte ich auf und war total aufgekratzt. Konnte nicht mehr schlafen, doch Wehen hatte ich zu dem Zeitpunkt gar nicht. Also nahm ich mir ein Buch zum Lesen.

Um 4 Uhr pünktlich setzten dann doch Wehen ein. Wie die anderen Nächte schon gewohnt, zählte ich die Abstände. Da war ich sofort bei 10 min. Halb 5 dann bereits bei 7-8 min. Und merklich wurde auch diesmal die Intensität stärker. Ich schrieb meiner Hebamme und sie meinte, ich solle noch eine halbe Stunde beobachten und mich dann noch einmal melden.

Zu dem Zeitpunkt musste ich jedoch schon gut veratmen. Um 5 dann Abstand 3-4 min. Meine Hebamme startete sofort, da sie eine gute Stunde Anfahrtszeit hatte.

Ich weckte meinen Mann und gab ihm zu verstehen, dass es heute ernst wird. Unser grosses Kind fragte was los sei….ich meinte nur, heute kommt das Baby. Sie dann „ok“ und schlief weiter.

Ich wieder ins Bad.

Zündete Kerzen an, meine Duftlampe mit Entbindungsduft und schöne Entspannungsmusik dazu. So konnte ich gut in meine Mitte finden und zur Ruhe kommen.

Mich ganz und gar auf die kommenden Ereignisse einstellen und in Verbindung mit meinem Kind kommen.

Nun hatte ich ordentlich Atemarbeit, denn die Wehenpausen waren nur noch 1-2 min. Kurz nach 6 war meine Hebamme dann da. Sie bereitete schon mal alles vor.

Sie beruhigte meinen Mann, der öfter als nötig fragte, ob er schon heisses Wasser kochen solle zur Geburtsunterstützung.

Hebamme Denise meinte zu meinem Mann ( da war es so halb 7) dass sie um 11 bereits wieder einen Termin zu Hause habe in ihrer Praxis.

Worauf er verdutzt antwortete, dass sie doch noch zwei Stunden nach der Geburt da bleibe.
Antwort von ihr : „…ja, genau.“
Er: „…du müsstest hier ja dann um 10 wieder fahren?“
Sie: „Ja, richtig“
Er: „…..aber das wird hier doch noch ne Weile dauern ?…..“
Sie: „…..so, wie deine Frau ausschaut, haben wir das locker bis dahin geschafft.“
Er: …verdutzter Blick….

In der Zwischenzeit war ich total mit Tönen und Atmen beschäftigt, so dass ich die Gespräche der beiden gar nicht mehr mitbekam.

In einer kurzen Wehenpause, wollte ich nochmal DRINGEND aufs WC …

Dort angekommen, wusste ich gar nicht wie ich das anstellen sollte. Weder sitzen, noch hocken, noch halb drüber stehen ging so richtig. Alles tat weh. Der kleine Heizkörper neben mir, war mir eine echte Stütze.

Dann hatte ich das Gefühl, dass in mir was runterrutscht.

….die Fruchtblase…

Meine Hebamme Denise führte mich in die Wohnstube, dort breitete sie Unterlagen auf dem Boden aus. und schickte meinen Mann ins Bad, dass er mir die Wanne aufdrehen solle.

In der Zwischenzeit hing ich über einem Hocker und hatte schon extrem den Drang mein Kleines auf die Welt zu bringen. Als mein Mann aus dem Bad kam, bekam er zu hören:“ ….du kannst wieder zudrehen, das schaffen wir nicht mehr in die Wanne…“

Da war es um 7.

Ich kämpfte mit einigen Presswehen, hatte im Kopf Angst, dass ich Verletzungen davontrage und benötigte noch ein, zwei Wehen mehr. Schliesslich flutschte der kleine Kerl am Morgen des 27.06. um 7:18 Uhr raus und 7:24 Uhr bereits gefolgt von der Plazenta. Die Nabelschnur war binnen paar Minuten bereits auspulsiert und mein Mann durchtrennte sie.

Uns beiden kullerten die Tränen des Glücks und der Erleichterung.

So schnell, so schön und so heilsam.

Ohne Wehenmittel, ohne Schmerzmittel.

Selbstbestimmt und kraftvoll.

Nur der Natur ihren Lauf gelassen.

Es ist erstaunlich, wieviel Kraft in uns Frauen steckt und welchen Schub an Selbstbewusstwerdung eine selbst bestimmte Geburt bringen kann.

Ich bin dankbar für dieses Geschenk!

Für unser zweites Kind!

An unserem Glück möchte ich dich teilhaben lassen und wünsche dir Liebe und Kraft!

Namastè, Bernadett!

Bildquelle: pixabay.com

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